Fachprogramm

Rechtliche, biologische und soziale Elternschaft – Herausforderungen durch neue Familienformen

Die Formen familiären Lebens werden immer vielfältiger. Zunehmend leben Kinder verheirateter oder unverheirateter Paare nach Scheidung oder Trennung ihrer Eltern in Stieffamilien. Zum Teil wachsen sie auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren auf. Zudem greifen Paare angesichts steigender ungewollter Kinderlosigkeit oftmals auf Maßnahmen der assistierten Reproduktion zurück. Nicht selten sind dies auch solche im Ausland, die, wie Eizellspende oder Leihmutterschaft, in Deutschland nicht erlaubt sind, jedoch abstammungsrechtliche Fragen im Inland aufwerfen.

Dieser Wandel führt vermehrt zu einem Auseinanderfallen von biologischer und sozialer Elternschaft. Der Gesetzgeber hat hierauf bislang nur punktuell reagiert. Es fehlt an einem kohärenten Konzept, das den verschiedenen Formen moderner Elternschaft differenziert Rechnung trägt. Viele Fragen sind zu klären: Wie kann die Übernahme tatsächlicher Elternverantwortung durch soziale Elternteile in Stief- oder auch Pflegefamilien im Interesse der Kinder besser rechtlich abgesichert werden? Welche Rolle können Elternvereinbarungen in diesem Rahmen spielen? Welche Bedeutung kommt intentionaler Elternschaft bei Verwendung reproduktionsmedizinischer Maßnahmen zu? Welche Rolle sollte die genetische Herkunft spielen? Kann ein Kind, wie in anderen Rechtsordnungen, drei rechtliche Elternteile haben? Wie sind die Interessen von Kindern zu wahren, die im Ausland aufgrund einer Leihmutterschaft deutschen Wunscheltern geboren werden?

Diese Fragen berühren primär den Bereich der Abstammung, der elterlichen Sorge und des Umgangs, aber auch den der Adoption. Es gilt ein Konzept zu entwickeln, das der Vielfalt familiärer Lebenswirklichkeit gerecht wird und aufeinander abgestimmte Regelungen bereithält. Hierbei ist den grund- und menschenrechtlichen Gewährleistungen der Elternrechte, den Rechten der Kinder auf elterliche Pflege und Erziehung, dem Schutz der gelebten sozialen Familie sowie dem Recht von Kind und Eltern auf Kenntnis der genetischen Beziehungen Rechnung zu tragen.

In der familienrechtlichen Abteilung werden diese Fragen intensiv diskutiert werden. Ziel ist es, Regelungsoptionen auszuloten, die die Interessen der Beteiligten in Einklang bringen, Umfang und Grenzen privatautonomer Gestaltungen bestimmen und nicht zuletzt Rechtssicherheit schaffen.

Vorsitzende

Prof. Dr. Nina Dethloff, LL. M., Bonn

 

Stv. Vorsitzender

Ministerialdirigent Michael Lotz,
Stuttgart

 

Schriftführerin

Akad. Rätin Dr. Susanne Gössl, LL. M., Bonn

 

Gutachter

Prof. Dr. Tobias Helms, Marburg

 

Referenten

Richterin des BVerfG
Prof. Dr. Gabriele Britz, Karlsruhe/Gießen

 

Vors. Richter am OLG a. D.
Prof. Dr. Dr. h. c. Gerd Brudermüller,
Bad Dürkheim/Mannheim

 

Prof. Dr. Ingeborg Schwenzer, LL. M., Basel

 

 

Referate

Mittwoch, 14. September
11:00 bis 13:00 Uhr

Diskussion

Mittwoch, 14. September
14:00 bis 17:00 Uhr
Donnerstag, 15. September
9:00 bis 13:00 Uhr

Diskussion und Beschlussfassung

Donnerstag, 15. September
14:00 bis 18:00 Uhr

 

Familienrecht