Rahmenprogramm

Das Alte Rathaus als Ort städtischer Rechtsprechung

Sehr früh schon entwickelte sich in Leipzig eine eigene kommunale Rechtsprechung. Die Anforderungen der in Leipzig omnipräsenten Kaufleute an ein gesichertes Recht führten im 13. Jahrhundert zur Schaffung des sogenannten „Leipziger Schöffenstuhls“, eines Stadtgerichts, das im 15. Jahrhundert über die Grenzen Leipzigs hinaus an Bedeutung gewann. Seinen Sitz hatte das Gericht im Alten Rathaus, das 1556 im Stil der sächsischen Renaissance erbaut wurde. Heute beherbergt es das Stadtgeschichtliche Museum. Museumsdirektor Dr. Volker Rodekamp vermittelt Ihnen einen Blick auf die städtischen Gerichtsverfahren bis zur Auflösung des Stadtgerichts 1856. Zugleich wird im Verlauf der Führung auch ein Teil des früheren Strafvollzugs nachvollziehbar: 13 Räume des Rathauses dienten einst als Gefängnis. Einige Instrumente der im Keller gelegenen Folterkammer sind noch heute zu besichtigen.

  • Do 27.09.   18:00—19:00 Uhr Code 4282
  • Altes Rathaus, Markt 1
  • Preis: 4 Euro

Justiz im Unrechtsstaat der SED

Die 1992 vom Bundesministerium für Justiz beauftragte und 1994 erstmals gezeigte Wanderausstellung „Im Namen des Volkes – Justiz im Staat der SED“ war zuletzt 2012 zu besichtigen. Sie konnte zwar nicht vollständig überarbeitet und wissenschaftlich aktualisiert werden, jedoch ist es der Außenstelle des BStU in Leipzig gelungen, einen Teil dieser Ausstellung soweit aufzubereiten und durch eigene Exponate zu erweitern, dass sie in der Stasi-Unterlagen-Behörde gezeigt werden kann.

Die kostenfrei zugängliche Ausstellung veranschaulicht die Arbeitsweise der „Organe der sozialistischen Rechtspflege“ und deren Steuerung durch die SED. Zugleich gibt sie einen Einblick in die so genannten Waldheim-Prozesse, bei denen 3324 Angeklagte verurteilt wurden und die zu weltweiten Protesten führten.

  • Öffnungszeiten täglich 8:00—18:00 Uhr
  • Außenstelle Leipzig des BStU, Dittrichring 24

Das Bundesverwaltungsgericht – ein Bundesgericht an historischem Standort

Leipzig war über Jahrhunderte Sitz wichtiger Gerichte. Die Bedeutung der Stadt als historische Justizmetropole wuchs mit der Gründung der Juristischen Fakultät der Alma Mater Lipsiensis im Jahr 1409. Nachdem schon der „Leipziger Schöffenstuhl“ über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung erlangt hatte, kam es infolge der Wechselwirkung zwischen Lehre und Rechtsprechung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Errichtung eines Reichsoberhandelsgerichts in Leipzig und schließlich zur Errichtung des Reichsgerichts. Heute ist in diesem wohl prächtigsten Gerichtsgebäude Deutschlands das Bundesverwaltungsgericht untergebracht.

Neben den öffentlich zugänglichen Teilen des Gebäudes erhalten Sie Zutritt zu mehreren Sitzungssälen, zum ehemaligen Speisezimmer und zum Festsaal des Reichsgerichtspräsidenten. Außerdem erfahren Sie Wissenswertes über die Geschichte des Reichsgerichtsgebäudes sowie die Aufgaben und die Arbeitsweise des Bundesverwaltungsgerichts.

  • Do 27.09.   10:00—11:30 Uhr Code 4051
  • Do 27.09.   15:00—16:30 Uhr Code 4211
  • Bundesverwaltungsgericht, Simsonplatz 1
  • kostenfrei dank der Unterstützung des
    BVerwG

Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR

In einem streng abgetrennten Teil der Strafvollzugseinrichtung Alfred-Kästner-Straße, die direkt neben dem heutigen Amtsgericht liegt, wurden seit den 1960er Jahren alle im Land ausgesprochenen Todesurteile unter absoluter Geheimhaltung vollstreckt. Heutigen Erkenntnissen zufolge kamen hier bis 1981 64 Menschen zu Tode. Das Bürgerkomitee arbeitet momentan gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium der Justiz daran, die denkmalgeschützte Stätte künftig als justizgeschichtlichen Erinnerungsort regelmäßig zugänglich zu machen.

Justizgeschichtlicher Erinnerungsort der
ehemaligen Zentralen Hinrichtungsstätte
der DDR
  • Di 25.09.   15:00—16:00 Uhr Code 2032
  • Do 27.09.   10:00—11:00 Uhr Code 4032
  • Arndtstraße 48
  • Preis: 5 Euro